Berliner Imkertag 2016

Bereits zum 6. Mal fand am 9. Oktober 2016 der Berliner Imkertag statt, organisiert vom Imkerverband Berlin in Kooperation mit Berlin summt!. Im Zentrum standen in der Freien Universität Berlin drei äußerst interessante Vorträge.

Programm des Berliner Imkertags 2016 (PDF)

VORTRÄGE:

Pflanzenschutzmittel – Wie funktioniert das und was sollte aus Sicht der Imker verbessert werden?

PD Dr. Werner Kratz, Institut für Biologie, Freie Universität Berlin und 2. Vorsitzender des Landesverbandes Brandenburg des Naturschutzbunds Deutschland (NABU)

Durch den ersten bundesweiten Artenschutzreport des Bundesamtes für Naturschutz im Jahr 2015 wurde deutlich, dass die größten Artenverluste bei den Insekten zu verzeichnen sind. Insbesondere die ökologischen Dienstleistungen des Bestäuberkomplexes (Bienen, Hummeln, Wildbienen u.v.a.m.), werden durch den massiven Einsatz von synthetischen Pfl anzenschutzmitteln (u.a. Saatbeizmittel (Neonikotinoide), Herbizide (Glyphosat) stark reduziert. Dies hat auch bedeutende ökonomische Konsequenzen. Für die Imker besonders problematisch sind die inzwischen von staatlichen Untersuchungsstellen gefundenen Pestizidrückstände im Honig, die unseres Erachtens z.B. mit der Sikkation (Totspritzen von Kulturen) in Zusammenhang zu bringen sind. Diese Probleme wecken das Interesse der Ökotoxikologie, der Wissenschaft, die sich um die Wirkungen von Chemikalien in der Umwelt kümmert. Der Vortrag beleuchtet Problembereiche bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln und nimmt Stellung zur Ökologisierung und Vorsorge bei der Inverkehrbringung dieser Mittel.

Bienenhaltung heute

Imkermeister Dr. Jens Radtke, Leiter Abteilung Aus- und Weiterbildung, Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf

„Wird Bienenhaltung mit zunehmendem Umweltbewußtsein gar ein neuer Trend? Und Sie sind nicht dabei?“ schrieb ich 1995 in einem Flyer zum Thema „Bienenhaltung – Ein schönes und nützliches Hobby“. Heute spricht die druckfrische, verbraucherorientierte Bienen-Broschüre des Landwirtschaftsministeriums schon im Titel von der „Blütezeit in der Mark“, wenn es um Bienen und Imkerei in Berlin und Brandenburg geht. Denn Bienenhaltung ist „in“. Bienenhaltung macht Spaß. Bienenhaltung ist vielfältig - so wie es die Menschen sind, die sich mit Honigbienen beschäftigen. Und diese Vielfalt spiegelt sich auch im Umgang mit den possierlichen Stachelträgern wider. Dabei zeigt sich, dass sie mit unterschiedlichsten Behausungen und Behandlungsmethoden zurechtkommen. Doch wirklich gut geht es Bienen nur, wenn man ihre natürlichen Lebensbedürfnisse berücksichtigt und sie dabei unterstützt, sich bestmöglich zu entwickeln. Deshalb werden im Vortrag die Grundsätze der Bienenhaltung besprochen, die nach wie vor Gültigkeit haben – egal, ob die Bienenvölker aus Spaß an der Freude oder für den (Neben-)Erwerb gehalten werden, ob am Feldrand, im Kleingarten oder auf dem Hochhausdach, ob im Bienenkorb, in der Hinterbehandlungs- oder Magazinbeute.

Vortragsfolien (PDF)

Merkblatt zur Korbimkerei (PDF)


Bienen-Killer Nr. 1 sind weiterhin Neonikotinoid-Insektizide

Prof. Dr. Klaus-Werner Wenzel, IUCN Task Force on Systemic Pesticides und Entomologische Gesellschaft ORION Berlin

Auf Bienen bezogen wird die allmählich erkannte Gefährlichkeit von Neonikotinoiden aufgezeigt, welche trotz kürzlich eingeführter Teilverbote nach wie vor die wesentliche Ursache von Bienenverlusten und zunehmendem Insektenschwund sind. Durch Winddrift und Verteilung in Gewässern sind diese Nervengifte faktisch in der gesamten Kulturlandschaft und sogar weiträumig in Naturschutzgebieten nachzuweisen. Ihre  Halbwertzeiten vor allem im Boden sind extrem lang. Sie durchdringen von den Wurzeln her alle Pflanzenbereiche und gelangen in Nektar und Pollen. Fatal ist vor allem, dass diese an den Nikotin-Rezeptoren ansetzenden Substanzen eine subletale allmähliche Wirkung haben, und ihre Gefährlichkeit wegen dieser chronischen Toxizität lange Zeit nicht erkannt worden ist. In einprägsamen Grafiken wird die Wirkungsweise dieser Gifte dargestellt, und an Beispielen werden die verheerenden Auswirkungen genannt. Unsere heutigen Erkenntnisse sind überwiegend an dem "Haustier" Honigbiene gewonnen worden, und erst in allerjüngster Zeit werden die für die Natur noch bedeutsameren Verluste bei Wildbienen erkannt. Fotos einiger dieser wenig bekannten Bienen werden gezeigt. Für Unsicherheit sorgen die nur passageren und ungenügenden Teilverbote sog. systemischer Pestizide, und alarmierend ist die Vermarktung von neu entwickelten Neonikotinoiden.

Berliner Imkertag 2015

Berliner Imkertag 2015

Zum 5. Mal fanden am 10. und 11.Oktober 2015 die Berliner Imkertage mit Fachvorträgen an der Freien Universität (10.10.) und einem Erntefest auf der Domäne Dahlem (11.10.) statt. Berlin summt! war Kooperationspartner der Veranstaltung. Insgesamt verfolgten etwa 85 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer aus Berlin und Brandenburg die drei nachfolgend skizzierten Vorträge.

Vielfalt und Qualität Berliner Stadthonige

Dr. Birgit Lichtenberg-Kraag, Länderinstitut für Bienenkunde, Hohen Neuendorf e.V., Abteilung Honiganalyse:

Berlin hat sich für viele Imker als ein guter Standort für ihre Bienenvölker herausgestellt. Besonders die vielen Bäume der Großstadt liefern ein reichhaltiges Trachtangebot von Frühjahr bis Sommer für die Bienen und dem Imker eine gute Honigernte.

Jede Honigprobe liefert ein Spiegelbild der Pflanzen, an denen die Bienen ihren Nektar gesammelt haben. In einer mehrjährigen Studie haben wir auf dieser Basis am Länderinstitut für Bienenkunde in Hohen Neuendorf die typischen Trachtpflanzen im Berliner Stadtgebiet untersucht. Noch wichtiger als die Herkunft eines Honigs ist für viele Kunden seine Naturbelassenheit. Auch hier konnten unsere Untersuchungen den Berliner Imkern eine gute Qualität bescheinigen.

Kleiner Käfer – große Probleme? Biologie und Bekämpfung des Kleinen Beutekäufers

Dr. Sebastian Spiewok, Deutscher Bauernverlag GmbH, Deutsches Bienen-Journal:

Mit dem Auftauchen des Kleinen Beutenkäfers Aethina tumida in Italien, ist dieser Parasit von Honigbienenvölkern erneut ins Bewusstsein der europäischen Imker gedrungen. Ursprünglich stammt der Käfer aus dem südlichen Afrika. Inzwischen hat er sich jedoch auch in anderen Ländern ausgebreitet, wie den USA und Australien. Die Schäden, die er dort anrichtete, sorgten auch hierzulande für Schlagzeilen. Bilder von zerstörten und verschleimten Bienenvölkern gingen um die Welt. Auf welchen Wegen kann der Kleine Beutenkäfer nach Deutschland eingeschleppt werden? Welche Maßnahmen werden die Behörden ergreifen, wenn der Käfer hier auftaucht? Welche Gefahr bedeutet er für die hiesige Imkerei? Und wie kann dieser Parasit erfolgreich bekämpft werden? Diese und weitere Fragen wird der Referent, der Redakteur der Imkerfachzeitschrift Deutsches Bienen-Journal ist, in seinem Vortrag beantworten. Er hat mehrere Jahre lang in Südafrika, Australien und in den USA an diesem Schädling geforscht.

Die Robobiene

Dr. Tim Landgraf, Freie Universität Berlin, Institut für Informatik, Biorobotics Lab:

Bienen kommunizieren ihren Nestkolleginnen den Ort von Futterquellen und anderen wertvollen Ressourcen mittels Bienentanz. Dabei schwingt die Sammlerbiene auf der Wabe ihren Leib hin und her und bewegt sich in einer charakteristischen Bahn durch die Massen. Einige interessierte Bienen folgen den Bewegungen, lesen die kodierten Informationen ab und finden letztendlich im Feld, mehrere hundert Meter Flugstrecke entfernt, die angepriesene (Futter-)Stelle. Obwohl die Bedeutung des Bienentanzes schon mehrere Jahrzehnte bekannt

ist, bleiben viele Fragen offen. Wie genau werden die Informationen übertragen? Wie präzise ist der Bienentanz? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen haben Biologen und Informatiker zusammen einen tanzenden Bienenroboter entwickelt. Hiermit kann man die Tanznachricht beliebig manipulieren. Im Vortrag werde ich den Roboter und die wichtigsten Experimente und Ergebnisse zeigen und abschließend einen Ausblick auf unsere Forschung geben, die weiterhin auf eine starke Verknüpfung der Biologie mit der Informatik setzt.

Die Robobiene (PDF)

Programm Berliner Imkertag 2015 (PDF)

Berliner Imkertag 2014

Berliner Imkertag 2014

Unter großer Beteiligung von etwa 220 Personen fand am Sonntag, den 12. Oktober 2014, der 4. Berliner Imkertag statt. Das Imkertreffen war in zwei Programmpunkte aufgeteilt. Der vormittägliche Programmteil fand im großen Hörsaal der Biologie / Chemie in der Freien Universität Berlin und der zweite Programmteil am Nachmittag auf dem städtischen Bauernhof Domäne Dahlem statt. Nach den Begrüßungsworten der Veranstalter schloss sich die Staatssekretärin Sabine Toepfer-Kataw (CDU), Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz, an. Im Anschluss wurden am Vormittag drei abwechslungsreiche Vorträge gehalten: Als erster ermöglichte Prof. Dr. Kaspar Bienefeld, Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf e.V., einen tollen Einblick in das Dunkel des Honigbienenvolkes. Spannend waren seine Ausführungen zum Aufzuchtverhalten bei verschiedenen Verwandtschaftsgraden innerhalb eines und verschiedener Bienenvölker. Als zweiter Referent gab Dr. Christoph Saure, Büro für tierökologische Studien, einen Überblick über die Vielfalt und den Schutz der Wildbienenfauna insbesondere in Berlin. Dr. Stephan Scheurer schloss mit einem Beitrag über das Vorkommen und den Nutzen von Blatt- und Rindenläuse für Honigbienen bzw. für den Imker ab. Zwischen den Vorträgen bestand Zeit sich untereinander auszutauschen und sich kulinarisch zu stärken.

Der Nachmittag des Berliner Imkertages 2014 wurde im Freilandmuseum für Agrar- und Ernährungskultur begangen. Die Domäne Dahlem lädt traditionell am zweiten Oktoberwochenende zum Erntedankfest ein. Die Imker Berlins nutzten diese Möglichkeit und boten ihre Vielfalt an Honig den Besuchern an. Der Museumsdirektor Dr. Peter Lummel führte Gruppen durch die seit zwei Jahren in den Museumsräumen befindliche Ausstellung mit der Sammlung des bedeutenden Bienenkundlers Prof. Dr. Ludwig Armbruster (1886–1973).

Berliner Imkertag 2013

Berliner Imkertag 2013

Plakat

Der Imkerverband Berlin lud am 13. Oktober 2013 zu seinem 3. Berliner Imkertag in die Freie Universität ein. Berlin summt! war Kooperationspartner der Veranstaltung. Zu hören waren folgende Fachvorträge:

  • Prof. Dr. Dr. Wilfried Pestemer: Pflanzenschutzmittel und ihre Auswirkungen auf die Honigbiene
  • PD Dr. Ricarda Scheiner: Woher weiß die Honigbiene, welche Aufgaben sie zu erledigen hat?
  • Wolfgang Voigt: Die ökologische Bedeutung der Honigbiene in der Natur
  • Dr. Peter Lummel: Die Domäne Dahlem und die Bienen

Im Anschluss gab es die Möglichkeit, das Erntefest auf der Domäne Dahlem zu besuchen. Dort erwartete die Besucher ein buntes Imker- und Marktfest vor dem Imkerei-Ensemble der Domäne Dahlem. Bei sonnigem Wetter fanden sich viele Imker und Interessierte in der "Bienen-Ecke" ein. Besonderheit: ein Gemeinschaftsstand der Berliner Imker, die ihre unterschiedlichen Honige verkauften. Ob Langstrothbeuten, Honigetiketten, Bienenweiden oder Infos rund um Berlin summt! - die Infostände hatten großen Andrang.

Gruppenfoto: Organisatoren und Referenten für den 3. Berliner Imkertag großen Hörsaal des Fachbereichs Biologie / Chemie / Pharmazie der Freien Universität Berlin (v.l.n.r.): Dr. Benedikt Polaczek, Dr. Corinna Hölzer, Prof. Dr. Wilfried Pestemer, Dr. Ricarda Scheiner, Horst Prentzel, Prof. Dr. Petra Skiebe-Corrette, Dr. Peter Lummel, Cornelis Hemmer
Foto Berlin summt!-Stand: © Josef Meinhardt/Berlin - 2013

Kontakt

Dr. Corinna Hölzer, Cornelis Hemmer
Hermannstr. 29, 14163 Berlin-Zehlendorf
Tel.: 030. 394 064 310
Fax: 030. 394 064 329