Wesensgemäße Bienenhaltung

Imkern – nicht (nur) für den Honig: Mellifera e.V., die Vereinigung für wesensgemäße Bienenhaltung, propagiert imkerliche Betriebsweisen, bei denen nicht der maximale Honigertrag angestrebt wird, sondern das Imkern im Einklang mit den Bedürfnissen der Bienen im Vordergrund steht. Dabei beruft sich der Verein auf imkerliche Erfahrung, aktuelle naturwissenschaftliche Forschung und die anthroposophischen Lehren Rudolf Steiners.

Nach diesem Verständnis ist wesensgemäße Bienenhaltung keine Imkerei nach festen Vorschriften, sondern folgt einem undogmatischen Leitbild und kann mit verschiedenen Bienenwohnungen und Betriebsweisen realisiert werden. Dennoch werden einige Grundsätze eingehalten:

  • Der Schwarmtrieb bildet die Grundlage von Völkervermehrung und Zucht.
  • Auf künstliche Königinnenzucht und Ablegerbildung kann daher verzichtet werden.
  • Auf großen Naturwaben entwickelt sich das Brutnest als geschlossene Einheit.
  • Die Brutwaben werden als mobiler Naturwabenbau ohne Mittelwände gebaut.
  • Jedes Volk hat so viel Drohnenbrut und Drohnen, wie es seinem Bedürfnis entspricht.
  • Die Behandlung der Varroamilbe findet ausschließlich mit organischen Säuren statt.
  • Das Winterfutter wird mit eigenem Honig und Kräutertees aufgewertet.
  • Bienenwohnungen bestehen nur aus Holz und Stroh.
  • Der Honig wird weder beim Schleudern noch zum Abfüllen erwärmt, sondern vor dem ersten Kristallisieren in Verkaufsgebinde abgefüllt.

Weitere Informationen zur wesensgemäßen Bienenhaltung finden sich hier.

Statement von Thomas Radetzki, Mellifera e.V.: Wesens- gemäße Bienenhaltung ist auch in der Großstadt möglich!

Baumhöhle statt Klotzbeute

Woran sollen sich Imker orientieren, wenn wir nicht das Beste für uns selbst, sondern das Beste für unsere Bienen wollen? – fragt der Bienenforscher Torben Schiffer.

Torben Schiffer beschäftigt sich mit alternativen Möglichkeiten der artgerechten Bienenhaltung. Hierbei stehen u.a. die grundlegenden Unterschiede von Baumhöhlen und Beuten in Bezug auf die innenklimatischen Verhältnisse und deren Folgen für die Bienengesundheit im Fokus. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Würzburg und im Team Hobos (HOneyBee Online Studies), unter der Leitung von Professor Jürgen Tautz, tätig.

Im Zuge seiner Untersuchungen entwickelte der Biologe den Schiffer-Tree – eine Artgerechte Honigbienenbehausung mit Klimastabilität wie im großen Baum! Bienen behausen natürlicherweise Baumhöhlen in einer Höhe ab 5 m und präferieren ein Volumen zwischen 20-40 l. Um diese Bedingungen nachzubilden wurde der Schiffer-Tree für eine wesensgemäße Haltung entwickelt. Dieser wird in der gemeinnützigen Produktion der Caritas-Werkstatt Pocking gefertigt, einer Werkstatt für behinderte Menschen.

Einer der Arbeitsvorbereiter und Bio-Bauer im Nebenerwerb beschreibt den Einsatzbereich des Schiffer-Trees wie folgt:

"Meiner Einschätzung nach bietet sich der Schiffer-Tree vor Allem für angehende Stadtimker an, die sich aus Beweggründen des Arten- und Umweltschutzes zur Haltung von Bienen entscheiden.

Außerdem sehe ich den tree in Obstbau- und Landwirtschaftsbetriebe. Sie sind auf Bestäubung angewiesen und nicht auf die Honigproduktion.

Ich könnte mir gerade im Bio-Bereich Vorteile vorstellen: Bestäubung ohne Mehraufwand, dadurch Mehrerträge in entsprechenden Kulturen, eine sehr nachhaltige Art der Bienenhaltung (ich nenne es bewusst nicht Imkerei), was in der Regel mit dem Gedankengut eines jeden Biobauern harmonisiert."

Hier geht’s zum Beenature-Project von Torben Schiffer
Hier geht’s zum Schiffer Tree der Caritas-Werkstatt Pocking

Eine Möglichkeit der wesensgemäßen Bienenhaltung ist die Bienenkiste, entwickelt von Erhard Maria Klein aus Hamburg.

BIODYNAMIC AGRICULTURE - interviews for the film 'The Challenge of Rudolf Steiner' (Natural Beekeeping Trust)

Kontakt

Dr. Corinna Hölzer & Cornelis Hemmer
Stiftung für Mensch und Umwelt
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